Im Folgenden analysieren wir die Anwendbarkeit des HERMES Vorgehensmodells in einem mittelständigen Unternehmen mit 100 Personen.
In diesem werden Artikel die Merkmale und Voraussetzungen von HERMES erörtert.

Überblick

  • HERMES ist ein Kunstwort, das für den ursprünglichen Nutzen des Modells steht: Handbuch der elektronischen Rechenzentren des Bundes,Methode für die Entwicklung von Systemen.[1]
  • Offener Standard zur Führung und Abwicklung von Projekten. Ist in der Schweiz bei öffentlichen IKT Projekten verbindlich vorgegeben (in Ausschreibungen wird oft ein zertifizierter Hermes Projektmanager gefordert).
  • HERMES ist der schweizerische Projektmanagementstandard für Informations- und Kommunikationstechnikprojekte des Bundes und wird mittlerweile auch in kantonalen Verwaltungen eingesetzt.[1]

Ziele

  • Gute Qualität der Informatiksysteme
  • Verbesserte Kommunikation zwischen Fachabteilung/Anwendern und Informatikbereich
  • Verkleinerte Projektrisiken
  • Reduzierter Entwicklungsaufwand
  • Hohe Transparenz bei der Spezifikation von Projektarbeiten

Eigenschaften

  • HERMES gehört zu den linearen Vorgehensmodellen. Der Ablauf ist in sechs Phasen gegliedert. Diese sind im Einzelnen wie folgt bezeichnet: Initialisierung, Voranalyse, Konzept, Realisierung, Einführung und Abschluss. Am Ende jeder Phase steht ein Phasen–Entscheidungspunkt an dem die produzierten Ergebnisse verifiziert werden. Hier wird entschieden ob in die nächste Phase übergegangen werden kann, oder ob die vorherige Phase wiederholt werden muss.
  • Bei der Durchführung der Projektphasen werden drei Aspekte unterschieden:
    `Wie?‘ ist das konkrete Vorgehen? `Was?‘ wird als Ergebnis der Phase erwartet? `Wer?‘ übernimmt welche Aufgaben bei der Durchführung?
  • Das V-ModellXT und HERMES sind sich sehr ähnlich.[1]
    Beide sind Phasenmodelle und definieren erwartete Ergebnisse pro Phase, legen beteiligte und verantwortliche Rollen fest und planen die Erstellung der Ergebnisse mit Aufgaben bzw. Aktivitäten. […] Die Trennung von Organisations- und Projektrollen ist bei beiden Vorgehen vorhanden. [8]
  • Es werden zwei Projekttypen unterschieden: Systementwicklung (make) und Systemadaption (buy) [4]

Schulungen+Zertifizierung

  • Hermes Swiss Project Team Professional (HSPTP):
    – Schulung-Kosten: ca. 2000 Euro
    – Dauer 3 Tage
    – Prüfung – Kosten: ca. 500 Euro Dauer 3 Tage
    – Nach 2 Jahren muss Tätigkeit als HSPTP nachgewiesen werden. Dies dient als Grundlage zur Rezertifizierung nach 4 Jahren [6]
    – Rezertifizierung nach 4 Jahren (2 Hermes-Veranstaltungen müssen innerhalb der 4 Jahre besucht werden), Kosten ca. 250 Euro [6]
    (Verwendeter Umrechnungskurs: 0,81€/1CHF)
  • Hermes Swiss Project Manager (HSPTP: Vorraussetzung)
    – Schulungen Kosten: ca. 2450 Euro
    – Prüfung-Kosten: ca. 1050 Euro
    – Rezertifizierung analog zu HSPTP [6]
    (Verwendeter Umrechnungskurs: 0,81€/1CHF)

Software

  • Hermes Power User Tool (kostenlos zur Verfügung gestellt vom Bund ISB, aber ohne Support)
  • Tutorials online kostenlos verfügbar
  • zusätzlich öffentliche Workshops gegen Gebühr (Gebühr variiert)

Funktionalitäten Software

  • stellt Dokumentation bereit
  • generiert Ergebnisse als Office-kompatible Dateien
  • generiert Dokumente
  • exportiert Arbeitsschritte in MSProject
  • Möglichkeit des Tailoring (Vorgehen bestimmen und anpassen)

Verbreitung und Akzeptanz

  • Die Nachteile von HERMES sind der hohe administrative Aufwand während der Umsetzung und die Komplexität der Prozesse. [1]
  • HERMES konnte sich bis dato nicht über den Bereich der öffentlichen Verwaltung hinaus etablieren.[1]
  • Insgesamt gab es Ende 2011 1480 zertifizierte Personen.
  • Zum Vergleich gab es am 30. April 2010 6737 PMP-zertifizierte Personen alleine in Deutschland[7]

Support

  • Durch externe Consultants (Kosten variieren).

Weiterentwicklung

  • HERMES ist 1970 entstanden und wird seitdem ständig weiterentwickelt.
  • Befindet sich im Moment in Weiterentwicklung (Projekt Hermes 5).

Standard

Die Methode ist in der Bundesverwaltung der Schweiz verbindlich und muss bei allen IKT-Projekten angewendet werden. HERMES wird auch in anderen öffentlichen Verwaltungen sowie Lehrinstituten und Unternehmen eingesetzt.[4]

Fazit

Trotz der Vorteile von HERMES wie klar definierte Ziele, hohe Transparenz, sowie gute Vergleichbarkeit mit anderen Projekten, überwiegen unserer Meinung nach folgende negativ zu bewertende Aspekte.

Die hohen Schulungskosten und die Fakten, dass sich das Vorgehensmodell in der Praxis nicht über den Bereich der öffentlichen Verwaltung hinaus etablieren konnte und der hohe administrative Aufwand während der Umsetzung, sowie die Komplexität der Prozesse lassen uns zu dem Schluss kommen, dass dieses Vorgehensmodell für ein mittelständisches Unternehmen mit 100 Mitarbeitern nicht empfohlen werden kann.

Alternativ dazu wäre der Einsatz eines agilen Vorgehensmodells denkbar. Durch den geringeren Verwaltungs- bzw. Einarbeitungsaufwand können hier die vorhandenen Ressourcen effektiver genutzt werden, was sich auch in kostengünstigeren Projekten niederschlägt.

Quellen

[1] http://www.trivadis.com/fileadmin/user_upload/PDFs/Trivadis_in_der_Presse/Netzwoche_Projektmanagement_JKA_100929.pdf
[2] http://medinf.jakober.net/files/skript/projektmanagement/Einfuehrung_01.00.001.pdf
[3] http://www.hermes.admin.ch/ueber-hermes/artikel-uber-hermes/pm_2_09_s_32_38.pdf/at_download/file
[4] http://moodle.fhsg.ch/mw_swe/index.php/Hermes
[5] http://www.hermes.admin.ch/dienstleistungen/zertifizierung
[6] http://http://www.4projects.ch/index.php/zertifizierung-hermes.html
[7] http://unlocking-potential.de/wp-content/uploads/2010/06/20100602-pm-podcast-vergleich-zertifizierungssysteme-pmi-gpm.pdf
[8] http://www.microtool.de/blog/post/HERMES-5-und-V-Modell-XT-Ein-Vergleich-und-Ausblick.aspx

 

Autoren: Sascha Groß, Karsten Amrhein