keiretsu
Eine typische Definition besagt: Der Anwendungsbreich des Managements ist sein Unternehmen, somit die rechtliche Einheit, die es bildet. Schon vor ueber 100 Jahren wurde klar, dass diese Legaldefinition nicht ausreichend ist, um grosse Unternehmen zu managen.
Als neuer Ansatz wird den Japanern die Erfindung des sogenannten Keiretsu zugeschrieben. Ein Konzept, welches einen Zusammenschluss von Zuliefern und belieferten Unternehmen zu einem wirtschaftlichen Verbund vorsieht (Bsp.: Toyota).

Peter F. Drucker

 

Historie: In Wahrheit wurde das Konzept schon früher im Amerika Anfang des 20. Jahrhunderts eingeführt. Dort war es William C. Durant, welcher General Motors gegruendet und aufgebaut hat. Er kaufte zur Gruendung mehrere erfolgreiche Automobilhersteller auf, erkannte aber schnell dass dass er die Zulieferer integrieren muss, um das Unternehmen effizient zu oragnisieren – ein „Protoyp des Keiretsu“. Durch die Uebernahme der Zulieferer wurde General Motors seinerzeit zum erfolgreichsten Unternehmen im Automobilmarkt, mit einem Marktanteil von ueber 70%. Unter anderem aufgrund eines Kostenvorteils von 30% gegenueber den Mitbewerbern durch den Verbund mit den Zuliefern.
Fuer den langfristigen Erfolg wurde fast allen Zuliefern vorgeschrieben, dass sie 50% der Produktion an andere Unternehmen verkaufen muessen. Dadurch war sichergestellt, dass auch langfristig die Wettbewerbsfaehigkeit und Qualitaet vorhanden ist.
Dieser Keiretsu Ansatz, der auf „command und control“ basierte, war so lange erfolgreich wie der amerikanische Automobilmarkt dafuer geeignet war. Nach dem zweiten Weltkrieg lichteten sich allerdings die Anzahl der Automobilhersteller und die Zulieferer verloren mehr und mehr ihre Wettbewerbsfaehigkeit, zusaetzlich stiegen die Forschungskosten stark an. Was bis heute (zum Zeitpunkt des Artikels) ein ungeloestes Kostenproblem bei General Motors ist – Kern des Problems ist das Verständnigs von Management als „Befehl- und Kontrolle“.

Verbesserungsansaetze zu diesem Keiretsu Ansatz gab es bei Sears in den 1920er Jahren, welche durch Ankaeufe von kleinen Minderheitsanteilen die Zulieferer als „Gemeinschaft“, und nicht als Befehlsempfänger an sich band.

Die naechste Entwicklung war dann in den fruehen 1930er Marks & Spencer, ab hier wurden die Zulieferer konkret in das eigenen Management eingebunden – durch Verträge, statt durch Uebernahme oder Anteile. Der Ansatz war das Vorbild, das spaeter in Japan Keiretsu bewusst kopiert wurde, und zu vielen wirtschaftlich erfolgreichen Entwicklungen gefuehrt hat.

Schlusskritik: Immer noch ist die Machtanwendung die Grundlagen vieler keiretsus. Drucker fordert eine klare Ausrichtung von keiretsus als Partnerschaften (wie dies vglw. in joint ventures erfolgt); gerade auch in modernen Szenarien mit kleinen „start ups“, die über technoligsches Wissen verfügen, und sich ihre Partner aussuchen können. Damit ist der Anwendungsbereich des modernenen Managements nicht mehr die legale Einheit, sondern die gesamte Produktionskette eines Unternehmens.

Quellenangaben:

Was ist Management: Das Beste aus 50 Jahren. Von Peter F. Drucker, Gebundene Ausgabe: 398 Seiten Verlag: Econ (1. Oktober 2002) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3430122392